In der Dombauhütte

Von 16. September 2016Urban Sketching

An dem letzten Samstag, am Tag des offenen Denkmales, stand die Dombauhütte für Besucher offen – eine ultimative Chance, um den Handwerker vom Kölner Dom bei ihrer Arbeit zuzuschauen.

Was mich bei jedem Besuch der Bauhütte immer wieder fasziniert – es ist das Wahrnehmen der Zeit in deren Werkstätten. Wenn man aus einer Welt kommt, wo ein durchschnittliches Projekt eine Lebenserwartung von paar Monaten hat und die Produktionszeiten entsprechend in Stunden berechnet werden, wirkt das Arbeitsprozess an einem Projekt, das schon fast 800 Jahre dauert, beinah surreall. Eine Deadline in zwei Wochen – bei denen heißt es „verdammt schnell“. Drei Jahre für ein Baldachin (so eine dachartige Überbau über einem Heiligen) – vollkommen in Ordnung. Abschließen eines großen Auftrages erst in 20 Jahren – geht klar. Und keiner sagt dabei – „Mann, warum dauert es denn so lange?“

Also, falls ich in meinem nächsten Leben irgendwo in der Nähe von Köln wiedergeboren werden soll, dann werde ich alles tun, um einen Job bei der Dombauhütte zu bekommen – am Besten als Bildhauer oder Steinmetz. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das Konzept von Wiedergeburt mit dem katholischen Glauben übereinstimmt, aber in dem Falle wäre es mir vollkommen egal gewesen. Hauptsache dabei zu sein.

Und bis es soweit ist, hätte ich gern noch mal die Möglichkeit zu haben die Menschen, die in der Bauhütte arbeiten, zu zeichnen und deren Geschichten zu zuhören. Aber hey – es bleiben schon weniger als 365 Tage bis zum nächsten Tag des offenen Denkmales. Im Vergleich zu den 800 Jahren der Kölner Dom Geschichte ist das ja nur ein Wimpernschlag.

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