Der Lieblingsengel

Von 4. September 2016Zeichnen in Museen

Ich mag es, in Museen zu zeichnen. Dort ist immer ruhig, die Räume sind gut klimatisiert, und manchmal wird einem sogar ein Hocker ausgeliehen, auf dem man bequem zeichnen kann. Dazu noch, man hat immer eine Chance, Teil einer Geschichte zu werden, manchmal einer lustigen, manchmal auch einer rührenden.

Wie z.B. neulich im Museum Schnütgen. Da habe ich mir einen musizierenden Engel ausgesucht – eine wunderbare Figur aus Sandstein, Ende des 15 Jahrhunderts.

Kaum habe ich angefangen, da stand bereits ein Museumsmitarbeiter neben mir. Er meinte, der Engel sei seine Lieblingsfigur in dem ganzen Museum… Als Beweis dafür zeigte er mir sogar ein Foto, auf dem er neben dem Engel abgelichtet war.

Danach war der nette Herr ständig neben mir präsent; ab und zu kamen auch andere seine Kollegen auf mich zu, und alle hielten es für sehr wichtig mir mitzuteilen: „es ist der Lieblingsengel von dem Herrn da drüben“. Mann, ich hatte das Gefühl, mir wurde gerade von einer riesigen Familie ein Auftrag erteilt, ein Porträt von ihrem geliebten Kind zu zeichnen, und jetzt stehen sie alle hinter mir und beobachten, ob das auch klappt. Zeitlich musste ich schon längst weg sein, aber in der Situation konnte ich nicht einfach abhauen bis ich die Zeichnung zu Ende brachte.

Ich hoffe sehr, die Museumsmitarbeiter war mit dem Ergebnis zufrieden…

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